Urvertrauen
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  • Urvertrauen…

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  • Mehr zum Thema Urvertrauen

    Das Urvertrauen ist, neben Selbstliebe, Gleichmut und Lebensfreude, auch ein zentrales Thema von Sonnwandeln, meiner Schriftenreihe für spirituelle Entwicklung im Alltagsleben.
  • Urvertrauen im Ernstfall

    28. November 2011

    Seit ein paar Wochen geht es einem Menschen, der mir sehr nahe steht, nicht gut. Und ich gebe zu, es belastet mich, ich schlafe schlecht, bin in Gedanken stets bei ihm, und ich leide an meiner Ohnmacht, nicht helfen zu können.

    Dabei ist mein Urvertrauen doch so stark! In Alltagsdingen trägt es mich und erleichtert mir das Leben wesentlich.
    Natürlich sage ich mir immer wieder: Es hat bestimmt einen Sinn, am Ende ist es für alle Beteiligten gut, es wird mich einen Schritt weiterbringen… Auch bin ich mir bewusst, dass es gerade diese schweren Momente sind, die unser Urvertrauen prüfen, uns vor Augen führen, wie es darum steht, und uns antreiben, noch mehr daran zu arbeiten, weil uns klar wird, wie verletzlich unser Gleichgewicht, unser Glück ist.

    Ich nutze diese Gelegenheit, keine Frage. Ich bemühe mich. Ich sage mir auch immer wieder: Gut, dass du schon 20 Jahre lang kontinuierlich an deinem Urvertrauen gebaut hast – sonst wäre alles bestimmt viel schwerer zu ertragen.

    Deshalb empfehle ich euch: Arbeitet an eurem Urvertrauen, solange es euch gut geht! Es gibt im Alltag viele Gelegenheiten dazu. Damit ihr auf einer starken Basis steht, wenn ihr es einmal wirklich braucht.

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    Wünsche und Ziele

    13. Oktober 2011

    Wunschlos glücklich sind wir nur dann, wenn wir wunsch-los sind, also keine Wünsche haben.
    Das war – und ist – eine der Weisheiten, nach denen ich zu leben versuche. Und doch… in letzter Zeit sind in mir einige Wünsche aufgekommen, ungefragt, und ich habe sie nicht unterdrückt, sondern in Gedanken weitergesponnen zu Plänen und Zielen, verknüpft mit Hoffnungen.

    Gut, meine “Weisheit” hat noch eine Ergänzung, denn es ist unrealistisch, dass wir nie Wünsche haben, uns keine Ziele stecken. Nicht die Wünsche an sich sind schädlich, sondern die Erwartungen, die wir damit verbinden.
    Mit anderen Worten: Unglücklich macht uns nicht das gesteckte Ziel, sondern es nicht zu erreichen. Die Frustration, die Enttäuschung, der Verdruss, falls die erhofften Resultate nicht eintreffen, schaffen die Unzufriedenheit. Nicht die Wünsche, vielmehr unsere Einstellung müssen wir folglich ändern. Wir streben etwas Bestimmtes an, setzen diesen Willensimpuls – als eine Energieform, die wir aussenden –, und dann lassen wir los! Wir machen uns bewusst, dass die Früchte dieses Impulses und unseres Handelns nicht von uns abhängen, sondern so reifen, wie es ein Höherer Wille, der göttliche Plan, bestimmt. Wir vertrauen darauf, dass im richtigen Zeitpunkt alles so eintritt, wie es gut für uns ist, damit wir lernen und uns weiterentwi­ckeln. Wir bemühen uns zwar und lassen uns nicht träge treiben, geben die Erwartungen aber sofort auf und sind bereit, jedes Ergebnis anzunehmen.

    Ein Wunsch oder ein anvisiertes Ziel soll ein Impuls sein, den wir frei­setzen und sich selbst überlassen – wie eine Kugel, die wir anstossen und die dann unvorhersehbar ihren Lauf nimmt. Ob sie in der Wiese zum Stillstand kommt, in einen Teich fällt oder mitten auf der Strasse liegen bleibt, entzieht sich unserer Macht, und alles ist uns gleich recht.

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    Wechselnde Pfade…

    29. August 2011

    … Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht.

    Ich wusste nicht, von wem dieser Spruch stammt, als ich ihn gelesen habe. Inzwischen habe ich im Internet recherchiert: Er soll ein Segensspruch sein, der ursprünglich in einem Haus im Baltikum stand. Auch ein Lied. Ein Trauerspruch. Ein Eduard Mörike zugeschriebenes Zitat.

    Es ist nicht so wichtig. Gelesen habe ich ihn auf “meinem” Pilgerweg im Lötschental, ein Weg, der vom Dorf zu einer Kapelle führt. Über 15 Jahre ist es her, dass ich ihn zum ersten Mal gegangen bin, er hatte für mich gleich etwas Mystisches, Tragendes, Leichtes. Ich nannte ihn für mich “Pilgerweg” und ich bin ihn seither viele, viele Male gewandert.
    Zuletzt vor einer Woche. Und zum ersten Mal standen am Wegrand Sprüche, unter anderen auch der hier zitierte. Und ich entdeckte auch, dass der Weg “offiziell” als Pilgerweg bezeichnet wird.

    Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht. Ich las den Spruch und er war gleich in mir drinnen, wiederholte sich unaufhörlich wie ein Mantra, sanft und leise, bis ich zur Kapelle gelangte.

    Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht.

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    Was einem so zufällt…

    25. Juli 2011

    Eine chinesische Taogeschichte

    In einem Dorf lebte ein Bauer, der ein Pferd besass und deshalb von den armen Leuten als wohlhabend angesehen wurde.
    Eines Tages lief das Pferd davon. Wegen dieses Schicksalsschlags wurde der Bauer von allen bemitleidet. Er selbst meinte nur: „Mal sehen…“
    Nach einer Woche kehrte das Pferd zurück, gefolgt von einigen Wildpferden. So besass der Bauer jetzt mehrere Tiere und die Dorfbewohner beglückwünschten ihn.
    Wiederum meinte er selbst nur: „Mal sehen…“
    Als sein Sohn versuchte, eines der Wildpferde zu reiten, warf es ihn ab und er brach sich das Bein. Auch diesmal beklagten die Menschen im Dorf das böse Schicksal, doch der Bauer meinte nur: „Mal sehen…“
    Am nächsten Tag kamen Offiziere ins Dorf und rekrutierten alle jungen Männer für die Armee – nur den Sohn des Bauern nicht, denn er war ja verletzt.
    Abermals freuten sich die Leute für den Bauern, weil sein Sohn nicht in den Krieg ziehen musste. Und auch jetzt meinte der Bauer nur: „Mal sehen…“

    Diese Geschichte stammt aus Sonnwandeln Nr. 1

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    Finsternis

    20. Juni 2011

    Gestern erzählte mir eine Bekannte mit einem autistischen Kind von einem Vortrag zum Thema Autismus, den sie besucht hatte. Neben einigen ermunternden Informationen erfuhr sie auch, dass nur jedes zweite autistische Kind den Einstieg ins Berufsleben schafft. Das bedrückte sie sehr, steht ihr Junge mit seinen 15 Jahren doch genau an dieser Schwelle. Sie sagte: “Manchmal sehe ich überhaupt keine Zukunft, es macht mir Angst. Vor mir ist alles nur dunkel…”

    Das haben wir alle schon einmal erlebt: eine Finsternis rund um uns, wo wir auch hinschauen, wir sehen keinen Ausweg aus einer schwierigen Lage, alles erscheint düster, nirgendwo ein Licht…

    Doch was ist denn diese Dunkelheit, in der wir uns befinden? Nein, kein schwarzes Loch, kein Tunnel ohne Ende!
    Wir wandern immer auf das Licht zu – und befinden uns nur gerade im Schatten, der von etwas Grossartigem und Wunderbarem geworfen wird, das vor uns auf unserem Weg liegt und auf uns wartet.

    Verzagen wir deshalb nicht, gehen wir mutig weiter, auch wenn wir den Weg nicht richtig sehen, vertrauen wir darauf, dass wir geführt werden.
    Und die Kraft, die momentane Dunkelheit zu ertragen und zu überstehen, wird uns ebenfalls gegeben. Wie es im Koran so schön heisst: Gott auferlegt keiner Seele mehr, als sie zu tragen vermag.

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    Zitate von Sai Baba

    17. Mai 2011

    Der indische Mystiker Satya Sai Baba, in Indien und auch bei uns sehr bekannt, ist am 24. April 2011 im Alter von 85 Jahren gestorben. Zu seinem Gedenken will ich heute einige seiner schönen und tiefen Aussagen zitieren.

    Die Kerzen müssen im Innern des Menschen angezündet werden. Das ist wichtiger, als dies im Tempel zu tun.

    Meerwasser ist salzig, wenn es direkt aus dem Meer genommen wird, und es kann mit Bücherweisheit verglichen werden. Flusswasser hat einen anderen Geschmack – es ist süss. Dieses Wasser kann man mit “Weisheit, durch Erfahrung erworben” vergleichen. Die Weisheit, die durch Erfahrung euer eigen wird, ist höher zu bewerten als Bücherweisheit. Ihr könnt das Wissen, das ihr euch aus heiligen Büchern angeeignet habt, im täglichen Leben in die Praxis umsetzen und es dadurch in Weisheit verwandeln.

    Ein Mann borgte sich Geld von einem anderen und versprach, es am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang zurückzugeben. Der andere Mann sagte: “Aber weisst du denn, ob die Sonne morgen auch wirklich aufgehen wird?” Darauf erwiderte der Schuldner: “Kannst du denn sicher sein, dass ich morgen noch leben werde, um das Geld zurückzuzahlen, oder ob du noch leben wirst, um es in Empfang zu nehmen?” Alles im Leben ist ungewiss.

    Wenn ihr einem Menschen aus Liebe dient, könnt ihr jederzeit damit aufhören; aber wenn ihr Lohn dafür annehmt, seid ihr dazu verpflichtet, ob ihr wollt oder nicht. Gebt den Wunsch nach Entlohnung auf, dann seid ihr frei; wenn ihr sie annehmt, seid ihr gebunden. Das ist das Geheimnis selbstloser Pflichterfüllung.

    Fühlen wir nicht Frieden, wenn ein Gedanke verebbt und kein anderer aufkommt? Ihr müsst diesen Augenblick suchen, eins mit ihm werden, darin zur Ruhe kommen; dort ist ununterbrochener Frieden. Gedanken entstehen und vergehen wie Kräuselwellen auf dem Wasser. Vergesst die Wellen, seht das Wasser.

    Brütet niemals über die Vergangenheit. Wenn Kummer euch überkommt, erinnert euch nicht an ähnliche Vorkommnisse in der Vergangenheit, die euren Gram noch vergrössern. Erinnert euch statt dessen lieber an Augenblicke, in denen ihr glücklich wart. Gewinnt Trost und Kraft von solchen Erinnerungen und schwingt euch hoch über die wogenden Wellen des Leides.

    Aus: Der Weg nach Innen (Herausgegeben von der Sathya Sai Vereinigung, 1993)

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    Leiden oder Auferstehung?

    19. April 2011

    Einige Gedanken zum bevorstehenden Osterfest

    Zuerst die Kreuzigung und der Tod, danach die Auferstehung und das Leben – an beide will das christliche Osterfest erinnern. Auch in anderen, älteren Kulten findet sich dieses Schema des Leidens und der Überwindung des Leidens.
    Sogar die Natur zeigt uns in dieser Jahreszeit deutlich, wie aus dem scheinbaren toten Holz neue Knospen erwachen und aufblühen, wie aus der brachen Erde junge, zarte Pflanzen spriessen.

    Tatsächlich gehören beide zum Leben, das Leiden und die Auferstehung aus dem Leiden. Manchmal ist es allerdings nicht einfach, daran zu glauben, dass auch wieder bessere Zeiten kommen, wenn wir gerade in schweren stecken. Und doch… in jedem Leid ist auch Freude verborgen, wie ein krebskranker Freund von mir, der auf den Tod zuging, oft sagte.
    Meistens erkennen wir es leider nicht. Beherzigen wir deshalb die weisen Worte von André Gide, die ich nicht zum ersten Mal zitiere:

    Es entspricht einem Lebensgesetz: Wenn sich eine Tür vor uns schliesst, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, dass man auf die geschlossene Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet.

    Ich wünsche euch allen frohe Ostertage – lasst den Karfreitag schnell hinter euch und öffnet euch der Auferstehung, der Erneuerung, der Überwindung des Leidens.

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    Alles macht Sinn

    21. März 2011

    Alles macht Sinn, das Leben kennt keine Verschwendung.

    Dieser vielsagende Spruch hat einmal eine Teilnehmerin eines meiner Kurse zitiert. Gerade ist mir “zufälligerweise” der Zettel, auf dem ich ihn mir seinerzeit notiert hatte, wieder in die Hände gefallen, während ich nachdachte, worüber ich heute auf dieser Website schreiben soll. Den Wink des Zufalls nehme ich gerne an!

    Nichts geschieht “einfach so”, alles hat eine Bedeutung, einen Zweck, einen Sinn.
    Wenn…
    … ich mir eine Grippe hole und das Bett hüten muss – hat es einen Sinn;
    … ich von einer schweren Krankheit vollständig genese – hat es einen Sinn;
    … ich eine grosse Erbschaft mache – hat es einen Sinn;
    … ich meinen Job verliere – hat es einen Sinn;
    … mich der Chef lobt – hat es einen Sinn;
    … mich der Chef zurechtweist – hat es einen Sinn;
    … das Wetter umschlägt und ich meine Wochenendpläne nicht verwirklichen kann – hat es einen Sinn;
    … das Wetter schön bleibt und ich meinen Wochenendausflug machen kann – hat es einen Sinn;
    … mich unsterblich verliebe in den wundervollsten Mann der Welt – hat es einen Sinn;
    … mein Partner mich verlässt – hat es einen Sinn;
    … ich hungrig bin und nichts im Kühlschrank habe – hat es einen Sinn;
    … ich hungrig bin und ein Freund unerwartet mit einer Pizza vorbeikommt – hat es einen Sinn;
    … mir der Zug vor der Nase wegfährt – hat es einen Sinn;
    … ich den Zug noch erwische, weil er verspätet ist – hat es einen Sinn;
    … mein Telefon kaputt geht, obwohl ich einen wichtigen Anruf machen wollte – hat es einen Sinn;
    … mein Telefon erst kaputt geht, nachdem ich noch einen wichtigen Anruf bekommen habe – hat es einen Sinn;
    …………………………… alles hat eine Bedeutung, einen Zweck, einen Sinn. Das Leben kennt keine Verschwendung, es lässt keine Gelegenheit aus, uns etwas zu lehren, uns voranzutreiben, durch Freude und durch Schmerz, durch Herausforderungen und Leichtigkeit.

    Wir sind es, die manchmal eine vom Leben gebotene Gelegenheit, verschwenden. Weil wir…
    … sie als unbedeutend oder banal betrachten;
    … unachtsam sind und sie deshalb nicht wahrnehmen;
    … sie als “negativ” bewerten und nicht das Gute darin sehen;
    … sie als unangenehm, als Strafe, als Schicksalsschlag bewerten;
    … sie als selbstverständlich annehmen, wie meistens bei den angenehmen Dingen, die wir erleben;
    …………………………… weil wir vergessen, dass alles einen Sinn hat, und nicht darauf vertrauen, dass wir in jedem Augenblick genau das bekommen, was das Beste für uns ist.

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    Das Spiel des Lebens ist perfekt!

    25. Februar 2011

    Kennt ihr das auch?
    • Ihr habt eine Verabredung, auf die ihr euch sehr freut, doch sie wird dann abgesagt, und ihr seid enttäuscht oder traurig.
    • Ihr habt eine Verabredung getroffen oder seid eine andere Verpflichtung eingegangen, doch später habt ihr keine Lust mehr, oder es wird euch zuviel, oder…

    Mir passiert so etwas von Zeit zu Zeit, und gerade heute ist mir dabei wieder einmal bewusst geworden, wie perfekt und leicht es mit Urvertrauen läuft! Ich erzähle euch meine zwei letzten Erfahrungen.

    Ich habe seit vielen Jahren einen regelmässigen Abend, einmal pro Monat, mit einer befreundeten Familie, die ich schätze und mit der ich gerne zusammen bin. Darauf freue ich mich jedesmal sehr.
    Neulich stand ich am Morgen des Treffens auf und spürte – mit grossem Erstaunen –, dass ich überhaupt keine Lust hatte auf diesen Abend. Es gab keinen offensichtlichen Grund dafür, ich konnte es mir nicht erklären und, ich gebe es zu, ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht, was denn plötzlich mit mir los sei.
    Bald rief diese Freundin an und erklärte mir, der heutige Abend müsse ausfallen, sie seien alle stark erkältet, das Kind sogar mit Fieber im Bett.
    Normalerweise hätte ich diese Absage bedauert, wäre etwas traurig darüber gewesen. An jenem Tag hat es mir hingegen überhaupt nichts ausgemacht, ich war eher erleichtert und froh darüber!
    Ich bin davon überzeugt, dass meine unbegründete Unlust eine Schutzmassnahme meiner Seele war, um mir die Enttäuschung zu ersparen – als “allwissendes Wahrheitsorgan” wusste sie natürlich vorher schon, dass der Abend nicht stattfinden würde.
    Ähnliches habe ich bei Geplantem und bei Verabredungen schon oft erlebt, immer in gleicher Form: Wenn ich keine Lust mehr auf etwas habe oder mir etwas dazwischen kommt, dann wird es von anderer Seite abgesagt oder fällt aus irgendwelchen Gründen, die nicht in meiner Macht liegen, ins Wasser.
    Es ist auch schon vorgekommen, dass ich etwas abgesagt habe – manchmal mit ein bisschen schlechtem Gewissen – und der andere hat mir sofort gesagt, dass er ebenfalls froh darüber sei oder der Termin ihm auch nicht mehr passe!

    Bei meinem heutigen Erlebnis liegt der Fall etwas anders. Seit mehreren Wochen habe ich viel Arbeit, und auch die vergangenen Wochenenden waren recht intensiv, sodass ich mir eigentlich eines wünsche, an dem nichts läuft und ich ausspannen kann. Für das nächste verlängerte Wochenende habe ich allerdings schon vor Monaten liebe Freunde eingeladen, die ich nur zwei bis drei Mal pro Jahr sehe, und obwohl ich mich auf ihr Kommen sehr freue, spüre ich auch meine Müdigkeit und mein Bedürfnis nach etwas Ruhe. Doch diese Verabredung hätte ich nie abgesagt, zumal es immer schwierig ist, dass wir einen passenden Termin zusammen finden.
    Nun, ihr ahnt es schon, meinen Freunden ist etwas dazwischen gekommen und sie haben heute unser Treffen verschoben. Was für mich perfekt stimmt!

    Mit tiefer Dankbarkeit erkenne ich einmal mehr, wie sich alles zusammenfügt, wenn wir das Leben fliessen lassen, wenn wir annehmen, was uns gegeben wird, und nicht immer selber alles steuern und im Griff haben wollen. Einfach darauf vertrauen, dass es so kommt, wie es gut und richtig ist.

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    Wo ist der freie Wille?

    14. Januar 2011

    Vor ein paar Tagen diskutierte ich mit einem Freund über Ego und Seele, und irgendwie kamen wir in diesem Zusammenhang darauf zu sprechen, ob der Mensch einen freien Willen besitze oder ob “jemand/etwas” ihm sein Denken und Handeln aufzwinge. In der Psychologie heisst es ja, viele unserer Taten seien durch unser Unbewusstes gesteuert, was den freien Willen stark relativieren würde.

    Es stellt sich zuerst einmal die Frage, was denn dieses Ich ist, das einen freien Willen haben könnte oder nicht. Gehen wir davon aus, dass der Mensch aus den beiden Elementen Seele und Ego besteht.

    Die Seele, verstanden als dieses Element von uns, das mit dem Göttlichen, Universellen, Absoluten, der Weltseele, der Höheren Macht oder wie man diese Instanz nennen will, irgendwie verbunden oder gar ein Teil davon ist, hat keinen freien Willen. Sie tut immer das “Richtige” – immer das, was dem Willen des Göttlichen entspricht, was von einer höheren Warte aus betrachtet dem Wohl des Ganzen, dem Kosmischen Plan oder übergeordneten Ziel dient. Es gibt für die Seele keine Wahlmöglichkeit, sondern immer nur die eine, einzige, wahre, richtige Entscheidung.

    Das Ego, verstanden als die Gesamtheit unserer verschiedenen “Ichs”* besitzt einen freien Willen. Es trifft Entscheidungen zwischen mehreren Möglichkeiten und handelt entsprechend. Es kann auf den Rat den Seele hören (und somit “richtig” handeln) oder eigenmächtig entscheiden und dabei seine oft auf kurzfristigen Lustgewinn ausgerichteten Ziele verfolgen.
    Wie steht es dann aber mit der Steuerung aus dem Unbewussten? Kann man in diesen Fällen noch von freiem Willen sprechen? Nun, dieses Dilemma tritt erst gar nicht auf, weil alles ausser der Seele zum Ego gehört, also auch das Unbewusste nur eines unserer verschiedenen Ichs darstellt – wir könnten es beispielsweise Vergangenheits-Ich nennen, da es ja vergangene Erfahrungen enthält. Mit anderen Worten: Wenn nicht die Seele unser Handeln bestimmt, ist es immer ein Bestandteil des Ego, das uns steuert, unabhängig davon, ob eher der Körper, der Verstand, die Emotionen oder eben das Unbewusste.

    Der Mensch bestehend aus Seele und Ego schwankt ständig zwischen seinen beiden Elementen: Wenn er “Ich” sagt, ist er einmal mehr Seele und einmal mehr Ego. Empfindet sich aber beide Male als “Ich”, als sich selbst. Und doch… es gibt Unterscheidungsmerkmale um zu spüren, wer ich gerade bin, Seele oder Ego. Darüber habe ich anderswo auf dieser Website schon geschrieben. Weitere Texte zu diesem Thema findet ihr auch, wenn ihr in der rechten Spalte unter “Stichwörter” auf “Innere Stimme” klickt.

    *Diese verschiedenen Ichs erfahren wir alle tagtäglich in Form innerer Konflikte, Entscheidungsschwierigkeiten und mehr. Auch in ganz banalen Situationen: Eines meiner Ichs, das Vernunft-Ich, hat beschlossen, nicht von der Schokolade zu naschen. Zehn Minuten später meint das Emotions-Ich: “Ach was, was solls, ein Stückchen schadet mir doch nicht. Mmmh, wie gut das schmeckt!” Kurz darauf meldet sich das Vernunft-Ich missbilligend (oft auch die Seele) und verursacht ein schlechtes Gewissen. Ich bin nicht fortwährend das gleiche Ich, die Vorherrschaft zwischen den verschiedenen Ich ändert ständig!

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